Wenn Charles Bukowski ein Restaurant eröffnet hätte und kochen könnte.
Vorspeisen

frisch entsaftet
Apfel, Sellerie, Karotte. Frisch gepresst, bevor jemand auf die Idee kommt, Sahne dazuzugeben. Für alle, die kurz so tun, als wären sie vernünftig. Wir lassen ihnen den Moment. Die Speisekarte liegt ja noch auf dem Tisch.
Klappse goes Saft.

pervers
Bio-Avocado als Fächer, mit Balsamico-Zitrone-Honig-Dressing und gepfefferter Sahne. Dazu Burrata in bestem Olivenöl mit Pfeffer und Salz. Wir hätten nach der Avocado aufhören können, aber dann kam die Sahne, und die Burrata wollte auch nicht allein bleiben. Jetzt liegt alles auf einem Teller und tut so, als wäre es eine leichte Vorspeise.

kalte Therapie für Zwei
Bio-Avocado und Riesengarnelen versammeln sich um Magerquark, der mit bestem Olivenöl seine guten Vorsätze aufgegeben hat. Frische Zitrone, schwarzer und rosa Pfeffer sowie grobes Meersalz sorgen dafür, dass die Sitzung Geschmack bekommt. Für zwei, die gemeinsam etwas aufarbeiten möchten, ohne darüber reden zu müssen. Die Vernunft sagt Vorspeise. Der Hunger sagt Hauptgericht.

fiesliche kleine Scheiße
Avocado, die sich entschieden hat, erwachsen zu werden. Ausgelassener Speck, Butter, Semmelbrösel, frische Zitrone, grobes Salz, bunter Pfeffer – und der leise Verdacht, dass man das nicht teilen möchte. Die Butter trägt ihren Teil dazu bei. Der Speck macht den Rest.
Wer gegenüber sitzt, hätte sich auch eine bestellen können.

Hilfe
Ein Zwiebelsüppchen, das diesen Namen verdient. Mit Parmesantalern und ausgelassenem Speck. Hilft gegen Hunger, kalte Abende und den Wunsch, heute noch irgendjemanden zu sehen. Für Letzteres können wir einen Tisch in der Ecke anbieten.
Man bestellt es einmal. Dann immer.

gefüllte Feiglinge
Frische Feigen, Rinderhack, Knoblauch, bunter Pfeffer, Dessertwein. Eine ziemlich merkwürdige Gesellschaft. Funktioniert trotzdem. Die Feigen geben sich süß, das Hack hält dagegen, und der Knoblauch sorgt dafür, dass man sich morgen noch an den Abend erinnert. Der Dessertwein war eigentlich für später gedacht.
Der Name ist das einzige Feige daran.

kalt erwischt
Mild geräucherter Lachsrücken macht sich zwischen Bio-Avocado breit, während frische Zitrone und bunter Pfeffer dafür sorgen, dass die Gesellschaft nicht zu anständig wird. Sieht aus wie eine Vorspeise für Menschen, die ihr Leben im Griff haben. Wir servieren es trotzdem.
Für zwei, solange die Beziehung das hergibt.
Hauptspeisen

weich gelandet
Pochierte Eier machen es sich auf italienischem Prosciutto cotto oder Südtiroler Speck bequem und lassen sich von schaumiger Hollandaise nach Klappse Art zudecken. Wer so gebettet wird, hat wenig Anlass, sein Leben zu ändern.
Toast gibt es auf Anfrage. Von allein kommt hier keiner auf die Idee, aufzustehen.

Küste
Nordsee-Krabben, Spiegelei, Crème fraîche, frischer Schnittlauch. Kein Theater. Nur das Meer auf dem Teller – mit Zugaben. Das Eigelb läuft zwischen die Krabben, die Crème fraîche kommt mit auf die Gabel. Man wollte eigentlich mal wieder an die Nordsee.
Jetzt isst man erst mal.

Suppen-Koma
Tafelspitz, Sellerie, Lauch und Karotten in kräftiger Brühe aus ausgekochten Knochen, dazu Bio-Dinkelnudeln. Wir haben so lange Einlagen dazugegeben, bis die Brühe sich ihren Platz erkämpfen musste. Nachgeschenkt wird mindestens einmal. Wir haben schließlich nicht stundenlang Knochen ausgekocht, damit jemand hungrig aufsteht. Wer anschließend noch etwas vorhat, sollte prüfen, ob es auch im Liegen geht.

Wahnsinn
Jakobsmuscheln im Mantel aus gereiftem Bellota-Schinken mit in Butter getränkten Knoblauch-Semmelbröseln. Die beiden hätten sich selbst genügt, aber die Küche hatte bereits Black-Tiger-Riesengarnelen, karamellisierte Walnüsse und einen glasierten Steinpilz eingeladen. Was als gute Idee begann, hat inzwischen jeden Sinn für Verhältnismäßigkeit verloren.

kein Brot
Patties aus Dry-Aged-Filet und italienischem Speck, frisch vom Grill. Dazu ein Salat mit Avocado und roten Zwiebeln, damit der Teller wenigstens den Anschein eines ausgewogenen Lebenswandels wahrt. Das Burgerbrötchen haben wir weggelassen; es hatte ohnehin nur versucht, sich zwischen uns und das Fleisch zu drängen.
Kein Brot. Keine Diskussion.

geröstet
Roastbeef vom Grill mit Ofenkartoffeln und Pimientos. Das Pfeffer-Sahne-Sößchen sah zunächst nach einer freundlichen Beigabe aus, bis jemand anfing, mit der letzten Kartoffel den Teller auszuwischen. Wir hatten kurz überlegt, Brot dazuzulegen.
Jetzt ist es eine Frage der Würde.

Schnitzel mit Pommes
Bio-Entrecôte vom Grill mit Zitronen-Oliven-Trüffelöl und Ofenkartoffeln. Wir hatten Schnitzel mit Pommes versprochen, aber dann wurden die Zutaten übermütig.
Die Küche sieht keinen Grund, sich zu entschuldigen.

Schlabber
Eismeer-Garnelen mit gewürfelter Avocado in griechischem Joghurt, altem weißen Balsamico, fein gehacktem Knoblauch, Zwiebeln, Sellerie und Karotten. Eismeer trifft Griechenland. Kalt und cremig. Der Name macht wenig her. Der erste Löffel klärt das.
Danach schiebt man die Schüssel etwas näher zu sich und hofft, dass keiner fragt.

leider geil (gern mit pervers)
Rinderfilet mit Thunfisch-Sahne-Creme. Man wollte eigentlich etwas anderes bestellen. Hat man nicht getan. Jetzt zieht man das nächste Stück Filet durch die Creme und überlegt, ob noch Platz für „pervers“ wäre. Als hätte Platz bei solchen Entscheidungen jemals eine Rolle gespielt. Leider geil.

Heimatliebe
Sämige Kartoffelsuppe, Spiegel aus Bärlauchpesto, Häubchen aus Crème fraîche, ausgelassene Speckwürfel. Man rührt das Häubchen unter, erwischt einen Speckwürfel und lässt den Löffel gleich noch mal verschwinden. So hätte es zu Hause schmecken sollen. Das sagen wir natürlich keinem. Autsch.

Schwein gehabt
Frische Pfifferlinge im Sahnesößchen mit ausgelassenem Speck und Basmati, der seine Bekanntschaft mit Gemüsebrühe keineswegs bereut. Dazu Schweinelendchen, die wir rechtzeitig vom Grill genommen haben, bevor aus einem guten Abend eine Kauaufgabe wird. Innen saftig, außen alles unter Kontrolle.

Bollo de luxe
Rind, Rotwein, frisches Gemüse, ein paar Kleinigkeiten. Ohne Spaghetti. Aus Überzeugung. Wir wollten Bollo und haben uns beim Wein nicht lumpen lassen. Jetzt sitzt man vor dem Teller, löffelt und vergisst, was angeblich fehlt. Der letzte Rest verlangt etwas Geduld. Oder einen Finger.
Wir schauen kurz weg.

nee, oder
Rinderfilet vom Grill mit Scheiben von Nusstorte – Schmelz mit Walnüssen. Nuss auf Filet. Ja, wirklich. Man zweifelt kurz. Dann nicht mehr. Die Torte wird auf dem warmen Fleisch weich, und plötzlich schneidet man beides zusammen ab. Beim nächsten Bissen achtet man darauf, dass wieder genug Torte dabei ist. So schnell gehen Grundsätze.

Träumchen
Weißer Spargel mit Milchkartoffeln, Südtiroler Speck, Prosciutto cotto und Schäumchen. Man zieht die Kartoffel durchs Schäumchen, nimmt etwas Schinken dazu und lässt den Spargel auf der Zunge verschwinden. Gegenüber erzählt jemand etwas. War bestimmt interessant.
Man isst es und versteht den Namen sofort.

Kontrollverlust
Lachsfilet mit Garnelen im Blätterteig. Beim Anschneiden splittert die Kruste, darunter liegen Lachs und Garnelen dicht beieinander. Man versucht noch, alles ordentlich auf die Gabel zu bekommen. Dann schmeckt man die Butter im Teig und kümmert sich um wichtigere Dinge.
Die Krümel auf dem Hemd bemerkt man später.

Huhn im Topf
Kräftige, klare Hühnerbrühe. Dafür haben wir das Huhn mit Suppengemüse ausgekocht und die Suppe anschließend geklärt. Das Huhn kommt gewürfelt zurück, die Bio-Dinkel-Hörnchen dürfen dazu. Ein Blatt Basilikum hält sich für die Krönung. Wir lassen es in dem Glauben. Auf Wunsch ein Klecks Crème fraîche. Manchmal braucht man einfach einen anständigen Teller Suppe.

Schickidimm für Zwei mit Alibi-Salat
Chateaubriand trifft Robespierre. Der Salat ist dabei, damit das Gewissen schweigt. Man nimmt sich ein Stück, schaut, was der andere nimmt, und schneidet vorsichtshalber das nächste ab. Das Gespräch kann kurz warten.
Für zwei – aber man muss nicht teilen wollen.

Dose mit Haltung
Thunfisch im eigenen Saft, Kidney-Bohnen, Himbeer-Essig-Dressing, glatte Petersilie. Ein Salat, der sich für nichts entschuldigt. Muss er auch nicht. Der Thunfisch kam aus der Dose. Wir haben sie aufgemacht, statt eine Geschichte über den Fischer zu erfinden. Die Bohnen machen satt, das Dressing hält die Gabel in Bewegung. So viel zur Dose.

rote Freunde mit Kumpels
Riesengarnelen mit Bio-Avocado, knusprigem Speck, reichlich Knoblauch und Magerquark. Dazu bestes Olivenöl, Pfeffer und frische Kräuter. Garnelen und Speck hätten sich nie kennenlernen sollen. Jetzt ist es zu spät. Ann nennt es Glückseligkeit auf dem Teller.
Wir widersprechen ausnahmsweise nicht.
Nachspeisen
- Kussverbot
Glasierte Knoblauchzehen im Honig-Pfeffer-Mantel. Das mutigste Dessert der Stadt. Wer zögert, hat es nicht verdient. - jepp
Thymian-Champagner-Sorbet. Kühl, leicht, aromatisch. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Jepp. - nochmal
Basilikum-Chardonnay-Sorbet. Der Garten in einem Löffel. Mit Weißwein-Rückenwind. Nochmal? - Bombe
Flambiertes Schokoladeneis mit rotem Pfeffer. Heiß und kalt. Süß und scharf. Der Abend in einem Glas. Subtil war heute aus. - golden dates
Datteln wie Gold. Direktimport aus dem Iran. Wer das erklären muss, ist noch nicht so weit. Pur. Gut so.
Begleitung
- Schenkelöffner
Espresso mit altem Pflaumengeist und frischem Sahnehäubchen. Ein Versprechen, das der Name bereits einlöst.
Weine
- passend

LIFE IS NO SCHLOTZER